Offener Brief des Vorstandsvorsitzenden

Offener Brief des 1. Vorstandsvorsitzenden der Sportfreunde Neukieritzsch 1921 e.V., Jens Hauschild, zum Artikel „Verein „Neue Helene“ in Neukieritzsch will Betriebskosten zahlen“ von Andre Neumann, erschienen am 10.12.2015 in der LVZ

Ob es mittlerweile zum guten Ton in der Kommunalpolitik gehört, Diskussionen in der Öffentlichkeit zu Beginnen und gegen ortsansässige Vereine Stimmung zu machen, bevor der Bürgermeister überhaupt die entsprechenden Gespräche zur Beteiligung der Vereine an den Betriebskosten geführt hat, ist die Erste Frage, die ich mir beim Lesen der Kommentare von Herrn Bodenlos gestellt habe.

Einige Aussagen und Behauptungen des Herrn Bodenlos will ich nicht unkommentiert lassen, da sie ein falsches Bild der tatsächlichen Gegebenheiten darstellen.

 

Zunächst fordere ich Herr Bodenlos, der offensichtlich deutliche Einblicke in die Finanzlage des Sportvereines hat auf, mir die Einsparpotentiale konkret zu benennen. Wie unser Verein zum Beispiel im Bereich der Kinder Einsparungen erreichen soll, wenn der Mitgliedsbeitrag in Höhe von 30 € pro Jahr dann komplett an die Gemeinde fließt, sehe ich nur in der Ablehnung der Kostenbeteiligung. Andernfalls kann ich bei einem Restbetrag von 0 € unmöglich sparen. Aktuell betreuen wir dabei 239 Kinder, was das Vierfache der Gesamtmitglieder der Neuen Helene ist.

Zusätzlich erwartet Herr Bodenlos, dass auch andere ihren Beitrag leisten. Das tun wir, wie übrigens alle Vereine unseres Ortes, bereits.

So tragen wir als Sportverein mit einem breiten sportlichen Angebot dazu bei,  dass kulturelle Leben zu Bereichern und die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Gesunderhaltung auszubauen. Hierbei leisten unsere Trainer, Übungsleiter und Organisatoren den bescheidenen Beitrag von ca. 300 Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Woche.

Zudem hat der Gemeinderat Herr Bodenlos offenbar vergessen, dass der Sportverein bereits seit 2012 Teile der Reinigungskosten der Mehrzweckhalle aus Vereinsmitteln trägt. Wenn ich an dieser Stelle die Zahlen mal überschlage, komme ich, bei einem zu erwartenden Beitrag der „Neuen Helene“ in Höhe von ca. 200€ pro Jahr an den Betriebskosten zu dem Ergebnis, dass die Sportfreunde Neukieritzsch bereits heute einen Beitrag leisten, der über 35 mal höher ist. Wohlgemerkt vor der Beteiligung an den Betriebskosten.

Hier bestünde natürlich Einsparpotential bei den Kosten des Vereines. Allerdings würde diese Sparmaßnahme den Verlust eines Arbeitsplatzes bedeuten und die Kosten der Gemeinde steigern.

Ich bin auch nicht länger bereit, die hohen Betriebskosten den Sportfreunden anrechnen und uns so zum Kostentreiber bei den Kommunalausgaben machen zu lassen. Die Bauweise und Bauausführung der Mehrzweckhalle beruht auf Entscheidungen der Gemeinde und Gemeinderäte und nicht auf den Forderungen des Sportvereins. Wir tragen als Hauptnutzer jetzt lediglich die Konsequenzen.

Grundsätzlich lässt Herr Bodenlos bei der gesamten Diskussion die gesetzlichen und steuerrechtlichen Gegebenheiten völlig außer Acht. Die Mehrzweckhalle, welche einen Großteil der Kosten verursacht, ist ein gemischt genutztes Objekt.

Vereinsgelder dürfen aber ausschließlich für Vereinszwecke genutzt werden, andernfalls gefährdet der Verein die Anerkennung  der Gemeinnützigkeit. Die Verwendung der Mittel ist gegenüber dem Finanzamt nachweißpflichtig.

Nun liegt dem Verein bisher keine detaillierte Aufstellung der Kosten vor, sodass ich nicht nachweisen kann, dass es sich bei den zugrunde gelegten Betriebskosten um Kosten handelt, welche dem Sportbetrieb zu zuordnen sind. Somit bin ich schon aus der Verantwortung und Verpflichtung dem Verein gegenüber gezwungen, eine Kostenbeteiligung abzulehnen.

Da auch mir klar ist, dass bei sinkenden Einnahmen der Kommune auch die Ausgaben sinken müssen, möchte ich folgende Anregung geben: Da die Betriebskosten der Halle vermutlich deutlich über den ursprünglich kalkulierten Kosten liegen und die Halle mit öffentlichen Mitteln errichtet wurde, sollten die bauausführenden Firmen durch den Druck der Gemeinderäte und der Gemeinde in die Pflicht zur Nachbesserung genommen werden.  Möglicherweise sind hier deutlich höhere und auch dauerhafte Einsparungen als bei einer Beteiligung der Vereine an den Betriebskosten zu erzielen. Zusätzlich wäre diese Sparmaßnahme bürgerfreundlich und sozialverträglich, da nicht die Bevölkerung zur Kasse gebeten würde.

Jens Hauschild

1. Vorstandsvorsitzender der Sportfreunde Neukieritzsch 1921 e.V.

 

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